Neue EU-Drohnenverordnung - der aktuelle Überblick (August 2020)

Aktualisiert: Sept 4

Zum 1. Januar 2021 sollen die neuen EU-Drohnengesetze die seit 2017 gültige nationale deutsche Drohnengesetze ablösen.


EU-Drohnengesetze - Stichtag 1. Januar 2021 - einheitlich und doch nicht


Das Betreiben einer Drohne in Deutschland unterliegt ab dem 01.01.2021 der neuen EU-Drohnenverordnung. Die neuen EU-Drohnengesetze gelten sowohl für die privaten als auch die gewerblichen Drohnenpiloten. Damit wird die neue europaweit einheitliche EU Drohnenverordnung die deutschen Drohnengesetze ablösen, allerdings gibt es ein- und zweijährige Übergangsfristen. Drohnen werden künftig von den Herstellern in Klassen eingeteilt, der deutsche Kenntnisnachweise wird durch einen EU-Drohnenführerschein ersetzt.


Für die neue Klassifizierung bei den EU-Drohnenregeln kommen folgende Begriffe hinzu:

- Die Klasse der Drohne (Herstellerkennzeichnung, C0 - C4)

- Kategorien zum Flug (OPEN, SPECIFIC, CERTIFIED), mit Unterkategorien A0 - A3

Diese beiden Punkte bestimmen künftig, welche der neuen EU-Drohnenregeln zu erfüllen sind.


Neue EU-Drohnenverordnung - Das wird künftig anders


Auch im Juli 2020 sind noch nicht alle Regelungen und Feinheiten der EU-Drohnenverordnung geklärt bzw. offengelegt. Bis zum Inkrafttreten der neuen EU-Drohnenverordnung am 01.01.2021 können sich durchaus noch Änderungen ergeben.


Überblick über das künftige Drohnenfliegen nach den neuen EU-Drohnenregeln:


- Drohnen werden nach den EU-Drohnenregeln registriert

- EU Drohnengesetze bestimmen die Inhalte zum EU-Drohnenführerschein

- Geräte Klassen der Hersteller von C0 - C4)

- Risiko-Kategorien für Drohnenflüge (Offen, Speziell, Zertifiziert / Open, Specific, Certified)

Zwar soll es sich um europaweit einheitliche Drohnenregeln handeln, allerdings können die einzelnen Mitgliedsstaaten weitere Verordnungen erlassen. So muss in Deutschland der Drohnenpilot mindestens 16 Jahre alt sein, um in der OPEN-Kategorie ein Leichtgewicht zu fliegen. Bei Auslandsreisen in EU-Länder ist auf die dort gültigen Drohnengesetze für den Drohnenflug zu achten.


Der EU-Drohnenführerschein - Das Wichtigste im Überblick


Im Zuge der EU-Drohnenverordnug werden neue Nachweise und Führerscheine Pflicht. Doch auch ohne EU-Führerschein können Drohnen betrieben werden - sofern sie das maximale Abfluggewicht von 250 Gramm nicht überschreiten. Der "kleine Drohnenführerschein" betrifft das Abfluggewicht von über 250 Gramm und ist der Nachweis, der für die Kategorien A1 und A3 erforderlich sein wird. Grundsätzlich ist nach der neuen EU Drohnenverordnung ein Online-Führerschein möglich, aber auch ein EU-Drohnenführerschein mit Präsenzpflicht ist vorgesehen. Bei wem bzw. welcher Institution die Prüfung abgelegt werden muss, ist noch nicht veröffentlicht, allerdings wird es sich zumindest beim kleinen Drohnenführerschein um eine Online-Prüfung handeln. Darüber hinaus wird es den großen EU-Drohnenführerschein geben.


Beispiele - welche Drohne welcher Führerschein?

Für eine DJI Mavic Mini mit einem Fluggewicht von unter 250 Gramm wird nach der neuen EU Drohnenverordnung kein EU-Drohnenführerschein erforderlich sein.


Mit der neuen Regelung kommt der kleine EU-Online Drohnenführerschein für Drohnen mit mehr als 250 Gramm Fluggewicht:

- DJI Mavic Air 2

- DJI Mavic 2 Serie

- DJI Phantom 4

- Yuneec H520


Der große EU-Drohnenführerschein wäre nach der neuen EU Drohnenverordnung beispielsweise für das Fliegen der DJI Mavic 2 in der Innenstadt fällig.


Was passiert mit dem alten nationalen Drohnenführerschein?


Die Übergangsfrist für die Gültigkeit des Führerscheins beträgt nach der EU Drohnenverordnung ein Jahr. Innerhalb dieses Jahres muss ein neuer EU-Drohnenführerschein bestanden werden. Das Luftfahrt-Bundesamt prüft noch, ob mit den neuen EU-Drohnenregeln eine Umschreibung des nationalen Führerscheins auf den kleinen EU-Drohnenführerschein möglich ist.


Übergangszeit – Kann die alte Drohne weiterfliegen?


Künftig müssen die Drohnen-Hersteller nach den neuen EU-Drohnenregeln eine Einteilung der Drohnen in die Klassen C1, C2, C3 oder C4 vornehmen. Alle Drohnen ohne C-Kennzeichnung können gemäß der EU Drohnengesetze während der Übergangszeit weiter betrieben werden. Alte Bestandsdrohnen müssen nach der neuen EU Drohnenverordnung nicht in die neuen Klassen eingeteilt werden. Sie können nach den neuen EU-Drohnenverordnung in der OPEN Kategorie (Risiko-Kategorie) als Fluggerät unter 250 Gramm (Unterkategorie A1) oder als Geräte unter 25 Kilogramm (Unterkategorie A3) weiterfliegen.Grundsätzlich gilt nach der künftigen EU-Drohnenverordnung: Wer eine Drohne hat, für die ein EU-Drohnenführerschein erforderlich wird, kann in einer Übergangszeit von 2 Jahren die Bestandsmodelle weiterbetreiben. Für Neuanschaffungen ist allerdings auch in dieser Übergangszeit der EU-Drohnenführerschein erforderlich. Der große EU-Drohnenführerschein ist auch fällig, wenn das Fluggewicht 500 Gramm überschreitet.


Die Begriffe der EU Drohnengesetze - Klasse, Kategorie, Unterkategorie


Mit der neuen EU-Drohnenverordnung werden einige neue Unterscheidungen getroffen. Es geht bei der EU Drohnenverordnung um die Einteilung der Drohnengewichte, die Klassen zum Risiko des aktuellen Drohnenflugs und die Art des Drohnenflugs. Allgemein drehen sich die neuen Klassifizierungen der EU Drohnengesetze um das Risiko für andere (Mitmenschen), das von der Drohne ausgeht. Eine Rolle spielen bei den EU-Drohnenregeln u. a. das Fluggewicht der Drohne (KLASSE) und auch der Standort des Betriebs (KATEGORIE). Ein weiterer wichtiger Punkt der EU Drohnenverordnung ist die Registrierung von Pilot und Drohne - die bei den Kleinst-Drohnen der Unterkategorie A1 jedoch nicht erforderlich ist.


Klassen - Die neuen Geräte-Klassen der EU-Drohnenverordnung: C0 – C4


Je höher die Klasse, desto größer das Risiko beim Betrieb. Die neuen Klassen der EU Drohnengesetze gelten erst für Drohnen, die ab dem 01.01.2023 (Ende der Übergangszeit) in den Verkehr gebracht werden.


Künftig werden mit der neuen EU Drohnenverordnung die Drohnen nach ihren technischen Eigenschaften unterteilt. Die Kategorie der Drohne legt der Hersteller fest. Die Klassen C0, C1, C2, C3 und C4 sind mit den neuen EU-Drohnenregeln möglich. Drohnen mit Bord-Kamera werden nach der neuen EU Drohnenverordnung in die Klassen C1, C2 und C3 eingeteilt. Diese Drohnen müssen mit einer Fernidentifizierung und einer Geo-Sensibilisierung ausgerüstet sein. Wer selber Drohnen baut, wird ebenfalls eine Klassifizierung vornehmen müssen, hat aber anderen Vorgaben zu folgen, als die Hersteller.

Klasse C0:

Gewicht: kleiner 250 Gramm

Max Geschwindigkeit: 19 m/s

Fernidentifizierung: nein

Max Flughöhe: 120 Meter

Geo Sensibilisierung: Nein

Zulässige Manöver: Offene Kategorie A1


Klasse C1

Gewicht: kleiner 900 Gramm oder Energie kleiner 80J

Max Geschwindigkeit: 19 m/s

Fernidentifizierung: ja

Max Flughöhe: 120 Meter oder einstellbares Höhenlimit

Geo Sensibilisierung: ja

Zulässige Manöver: Offene Kategorie A1


Klasse C2

Gewicht: kleiner 4 kg

Max Geschwindigkeit: -/-

Fernidentifizierung: ja

Max Flughöhe: 120 Meter oder einstellbares Höhenlimit

Geo Sensibilisierung: ja

Zulässige Manöver: Offene Kategorie A2, A3

(Drohne erfordert "Langsam-Flugmodus")


Klasse C3

Gewicht: kleiner 25 kg

Max Geschwindigkeit: -/-

Fernidentifizierung: ja

Max Flughöhe: 120 Meter oder einstellbares Höhenlimit

Geo Sensibilisierung: ja

Zulässige Manöver: Offene Kategorie A3

(Drohne muss kleiner als 3 Meter sein)


Kategorien - Die neuen Kategorien der EU Drohnenverordnung : Open, Specific, Certified


Eine andere Darstellung zur Auslegung der EU Drohnengesetze zeigt die Unterscheidungen nach den neuen Kategorien.Jedes Flugmanöver wird mit der neuen EU Drohnenverordnung in eine Risiko-Kategorie eingeteilt: OPEN, SPECIFIC oder CERTIFIED. Weitere Unterkategorien (A1 - A3), die sich auf den aktuellen Flug bzw. Betrieb der Drohne beziehen.


Flüge in der OPEN-Kategorie sind für Menschen risikolos und das Betriebsrisiko ist klein. Bewegt sich die Drohne in der Kategorie OPEN werden nach der neuen EU Drohnenverordnung keine Genehmigungen erforderlich sein:

- 120 Meter maximale Höhe über dem Startpunkt

- Sichtflug, nur Flüge innerhalb der Sichtweite

- Privatsphäre der Anwohner, kein Flug über Menschen

- Haftpflicht-Versicherung erforderlich

- Kennzeichnung und Registrierung für Drohnenklasse C1

- Flugverbotszonen beachten (Flughafen, Straßen, Industrieanlagen)

- Mindestalter 16 Jahre


In OPEN sind nach der künftigen EU Drohnenverordnung folgende Unterkategorien und Klassen gültig:


A1 (Flug über Menschen): Drohnenklasse C0 (bis 250 Gramm) und Drohnenklasse C1 (bis 900 Gramm)

A2 (Flug in der Nähe, ab 30 Metern Entfernung): Drohnenklasse C2 (bis 4 Kilogramm), mit Online Test + Präsenzprüfung

A3 )Flug in großer Entfernung, 150 Meter vom Menschen) : Drohnen bis 25 Kilogramm

Die CERTIFIED (zulassungspflichtige) Kategorie gilt gemäß der EU Drohnenverordnung für Drohnen, die keinem der genannten Standardszenarien zuzuordnen sind. Für die EU Drohnengesetze gehören Drohnen mit mehr als 3 Meter Abmessungen sowie Drohnen für die Beförderung von Menschen und Drohnen zur Beförderung von gefährlichen Gütern.


Unterkategorien - Die neuen Sub-Kategorien der EU Drohnengesetze: A1 - A3

Mit der neuen EU Drohnenverordnung sind die Unterkategorien nach ihrer Entfernung zu Menschen bzw. Menschenansammlungen definiert.

Unterkategorie A1 - Leichte Drohnen der Klassen C0, C1, Selbstbau (bis 250 Gramm)

- Überfliegen von Personen erlaubt

- Überfliegen von Personen so kurz wie möglich halten

- Überfliegen von Wohn-, Gewerbe-, Industriegebieten erlaubt

- Registrierung für Klasse C0 und Selbstbau, nur wenn Kamera montiert ist

- Registrierung für Klasse C1 immer erforderlich

- Follow Me Modus maximal 50 Meter

- Qualifikation: C0 und Selbstbau: Ausführliches Studium der Anleitung

- Qualifikation C1: Studium der Anleitung + Online-Lehrgang (kleiner EU-Führerschein)


Unterkategorie A2 - Mittelschwere Drohnen der Klasse C2 (ab 900 Gramm)

- Mindestabstand 30 Meter zu Personen

- Mindestabstand 5 Meter zu Personen (Langsamanflugmodus)

- Überfliegen von Unbeteiligten nicht erlaubt

- Überfliegen von Wohn-, Gewerbe-, Industriegebieten erlaubt

- Registrierung immer erforderlich

- Großer Drohnenführerschein (Fernpiloten Zeugnis) und Kompetenznachweis s (Ausführliches Studium der Anleitung)

Unterkategorie A3 - für Drohnen der Klasse C3, C4, selbstgebaute Drohnen (bis 25 Kilogramm)

- Mindestabstand muss Gefährdung von Personen ausschließen

- Überfliegen von Wohn-, Gewerbe-, Industriegebieten mit 150 Meter Abstand

- Registrierung immer erforderlich

- Online-Lehrgang und Kompetenznachweis (Ausführliches Studium der Anleitung)



Gewerbliche Drohnenflüge

Ein gewerblicher Drohnenpilot/ Drohnen Dienstleister, der ein Gebäude in der Innenstadt befliegt, muss nach den künftigen EU-Drohnenregeln:

- Online Test absolvieren, den EU-Drohnenführerschein mit Präsenzprüfung ablegen

- Praktische Kenntnisse nachweisen (Eigenerklärung abgeben)

- Als Pilot registriert sein

- eine Drohne fliegen, die Sicherheitsfeatures aufweist ("return to home")


Künftige Drohnenflüge in SPECIFIC

Die Kategorie SPECIFIC der EU Drohnenverordnung steht für ein erhöhtes Betriebsrisiko und erfordert eine Erlaubnis. SPECIFIC liegt gemäß der EU Drohnengesetze beim Fliegen in mehr als 120 Metern Höhe über Menschenansammlungen oder beim Flug außerhalb der Sichtweite vor. Die Erlaubnis wird mit Betriebskonzepten oder SORA-GER nachgewiesen.


Die EU-Verordnung und das Tracking von Drohne und Pilot

Um die Strafverfolgung zu vereinfachen und gegen Verstöße vorgehen zu können, müssen mit den neuen EU-Drohnenregeln bei bestimmten Flügen bzw. Drohnen-Klassen (ab C1) spezielle Daten von Pilot und Drohne abrufbar sein. Die neuen EU-Drohnengesetze zur Datenbereitstellung gelten nun nicht mehr nur für UAV (Unmanned Aerial Vehicle) und UAS (Unmanned Aerial System) , sondern auch für Sport- und Freizeitdrohnen ab der Klasse C1.


Die Fernidentifizierung nach den EU-Drohnenregeln

Mit der neuen EU Drohnenverordnung werden weitergehende Bestimmungen, wie die UAS (Unmanned Aerial System) und UAV (unmanned aerial vehicle) Regelungen nun auch auf den Freizeit- und Sportbereich umgelegt. Module für die Fernidentifizierung senden nach der neuen EU Drohnenverordnung während des Fluges regelmäßige Flugdaten aus. Jeder, der sich im Sendebereich aufhält, kann mit seinem Smartphone folgende Daten abrufen:

- UAS Betreibernummer

- Seriennummer

- Flugrichtung

- Fluggeschwindigkeit

- Positionsdaten und aktuelle Flughöhe

- Position des Piloten (bzw.Startpunkt)


Ein UAS (Unmanned Aerial System) ist keine Sport-Drohne


Ein Fluggerät das nicht für private oder sportliche, sondern für z.B. wissenschaftliche und gewerbliche Zwecke genutzt wird, ist ein unbemanntes Luftfahrtsystem (UAS (Unmanned Aerial System), "Drohne" nach § 1 Abs. 2 LuftVG). Die für den privaten Freizeitwert oder für den fliegerischen Sport-Bereich genutzten Drohnen sind kein UAS (Unmanned Aerial System) nach dem Luftverkehrsgesetz.


Was ist der Unterschied zwischen einem UAS und einem UAV?


Ein UAV (Unmanned Aerial Vehicle) und ein UAS (Unmanned Aerial System) unterscheiden sich in folgendem: Die Bezeichnung UAV (Unmanned Aerial Vehicle) bezieht sich nur auf das Fluggerät und nicht das gesamte System, das zusätzlich unter anderem eine Bodenkontrollstation, eine Kommunikationsinfrastruktur zum Senden, Weiterleiten und Empfang der Aufklärungsergebnisse sowie Einrichtungen zur Bild- und Videoauswertung umfassen kann.


Anmerkung: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar




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